Sensation Method > Miasmen
Auf der Suche nach einer Orientierungshilfe in der Vielfalt von Mitteln und Krankheiten ahnte Dr. Rajan Sankaran eine Möglichkeit in Hahnemanns Miasmenlehre. Auf dieser Grundlage erforschte und entwickelte er das Modell der zehn Miasmen - ein äusserst nützliches Modell, Krankheiten zu klassifizieren, das es dem/der HomöopathInn erleichtert, das Simillimum zu finden. Die Miasmen umschreiben darin verschiedene Reaktionsmuster des Menschen, die aus einer unterschiedlichen Wahrnehmung (Wahnidee) der Realität resultieren. Zu den vier Hauptmiasmen fügte er noch sechs Zwischenmiasmen hinzu, damit eine brauchbare „Landkarte“ entstand.
Wichtig ist, den Zustand zu erkennen, in dem sich der/die PatientIn befindet und der das Miasma anzeigt, und nicht das Miasma auf der Grundlage der Pathologie zu bestimmen.
Akutes Miasma
Die Gemeinsamkeit bei diesem Miasma ist das Gefühl (die Wahnidee), dass eine starke Bedrohung von der Aussenwelt ausgeht. Sie wird plötzlich und akut wahrgenommen und stellt eine Bedrohung für das Leben dar. Es kommt zu einer instinktiven, unvermittelten, impulsiven, panik- oder reflexartigen Reaktion. Plötzlicher Beginn, schnelles Fortschreiten und schnelles Ende – Tod oder Erholung. Unmittelbare, starke Reaktionen, wie hohes Fieber, heftiger Puls, gerötetes Gesicht, beinahe manische Abwehrreaktionen, übermässig lautes Lachen oder abnorme Ausbrüche von Wagemut oder Fröhlichkeit sind Ausdrucksformen in diesem Miasma.
Im Allgemeinen ist die akute Persönlichkeit nervös, erregbar und überaktiv. Zeitweise zeigt sie sich auch als anderes Extrem, vollkommen in sich verschlossen und unempfänglich. Sie lebt im Allgemeinen unter extrem hoher Spannung. Man beobachtet eine Neigung zu impulsiven Gewaltausbrüchen wie bei der Syphilis, jedoch ohne den tiefsitzenden Pessimismus der Syphilis.
Geist und Körper reagieren.
Psorisches Miasma
Hier wird die Realität als Problem erfahren, das durch Bemühung (Kampf) gelöst werden kann. Die Wahnidee hat hier zwei Aspekte. Die Realität wird als Belastung erlebt und durch Zweifel an den eigenen Fähigkeiten (mangelndes Selbstvertrauen), mit diesen Belastungen zurechtzukommen, entsteht Angst (Werde ich das schaffen?). Ein Scheitern bedeutet hier jedoch noch nicht das Ende der Welt.
Psora umschreibt eine Situation, die eine Auseinandersetzung mit den Umständen erfordert, um zu überleben.
Die körperliche Empfindlichkeit auf verschiedene Umgebungsreize, wie zum Beispiel Geräusche, Licht oder Gerüche, können bei diesen Menschen funktionelle Störungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Unbehagen etc. hervorrufen.
Die psorische Persönlichkeit durchlebt Höhen und Tiefen oder Enttäuschung und Hoffnung in ihrem permanenten Kampf. Jucken als anhaltender Kampf mit extremem Unbehagen, jedoch nicht das Leben bedrohend, nicht hoffnungslos.
Bei der Psora ist das zentrale Gefühl: „Mir geschieht etwas, gegen das ich etwas unternehmen muss“. Geist und Körper mühen sich ab.
Sykotisches Miasma
Hier wird das Problem als etwas permanentes, fixiertes, das unveränderbar ist, erfahren. „Ich bin nicht in der Lage, die Situation zu bewältigen, mit mir stimmt etwas nicht“. Verbunden mit diesem Eingeständnis der Schwäche ist der Versuch, damit zurecht zu kommen und sie zu verbergen. Der Patient versucht, diese Schwäche auszugleichen und sie zu maskieren. Um seine Unzulänglichkeiten zu überdecken, entwickelt er als Abwehrmassnahmen eine Reihe von fixen Vorstellungen, neurotischen Verhaltensmustern und zwanghaften Gewohnheiten („Ich muss meine Handlungen immer und immer wieder überprüfen, weil ich nicht gut genug bin“). Er ist verschwiegen und angespannt.
Aus einer unzureichenden normalen Reaktionsfähigkeit heraus kommt es zu übersensiblen Reaktionen auf spezifische Umweltreize, zum Beispiel in Form von Tumorbildung, Allergien, Überempfindlichkeitsreaktionen, fixierte, gleichbleibende Störungen wie Asthma oder strukturelle Pathologien. Die Krankheit entwickelt sich in der Regel schleichend und stetig. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch die Keloidbildung, eine überschießende Narbenbildung, bei der ein „Gefühl des Ungenügens“ einen verstärkten Versuch zur Folge hat, den Fehler zu beheben. Ausfluss ist eine häufige Manifestation dieser Persönlichkeit wie auch eine chronische, stetige Abwehrreaktion mit geringer Aussicht auf vollständige Heilung, jedoch keine verzweifelte Situation.
Bei der Sykosis ist das zentrale Gefühl: „Es gibt ein Problem, dem ich nicht gewachsen bin, so muss ich einen Weg finden, es zu umgehen und es von mir fernzuhalten“. Geist und Körper reagieren übermässig.
Syphilitisches Miasma
Das Gefühl hier ist: „Ich schaffe es nicht. Ich werde weder mit inneren noch mit äusseren Problemen fertig. Ich kann mich dieser Situation nicht anpassen, noch kann ich sie kontrollieren oder meine Schwäche verbergen“. Die Reaktion auf ein solches Grundgefühl ist eine drastische Alles-oder-Nichts-Reaktion mit dem Ziel, sich selbst oder die Umgebung zu ändern – ein gewalttätiger, ein letzter verzweifelter Versuch. Während die Person versucht, wieder die Kontrolle zu erlangen, trägt sie in sich das Gefühl von Verzweiflung und Vergeblichkeit... die Situation erscheint hoffnungslos.
Auf körperlicher Ebene finden wir hier also Gangrän, Ulzerationen, Geschwürsbildung, Karies etc. Ein chronischer, verzweifelter Kampf, in dem sich der Organismus im Versuch zu überleben selbst zerstört.
Der Syphilitiker durchlebt weder die Höhen und Tiefen des Psorikers noch zeigt er die Verschlossenheit des Sykotikers; seine Lebensperspektive ist äußerst pessimistisch. Er lebt mit dem Gefühl, dass es unmöglich ist, irgendetwas zu verändern, das falsch läuft. Dinge müssen seiner Ansicht nach radikal verändert oder zerstört werden. Mit diesem Gefühl, das ihn innerlich verzehrt, neigt er zu impulsiven Reaktionen. Ungeachtet der auslösenden Situation, ob Beleidigung, Kritik oder Bevormundung, ist sein Empfinden, dass tolerierbare Grenzen überschritten sind und es keinen Sinn macht, sich an die Situation anzupassen. Der tief greifende, anhaltende Pessimismus macht sich ab und zu in impulsiver Gewalt gegen sich selbst oder andere Luft. Der Syphilitiker ist weiterhin durch seine über die Massen fixierten Vorstellungen gekennzeichnet. Diese betreffen nicht nur ihn selbst, wie beim Sykotiker, sondern auch die Situation, in der er sich befindet. Deshalb wird er in der Regel durch Widerspruch stark gereizt, ist beherrschend und verweigert sich Veränderungen.
Das syphilitische Miasma führt in der Regel zu langsamen degenerativen Prozessen mit gelegentlich plötzlich destruierenden Episoden (wie Gangrän, Herzinfarkt). Solche scheinbar akuten Prozesse entstehen auf dem Boden eines degenerativen Prozesses, der sich über lange Zeiträume entwickelt hat.
(Auszüge aus Dr. Rajan Sankarans Buch, Substanz der Homöopathie, Seite 27-51)
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